Dienstwagen – Keine Privatnutzung, trotzdem 1%-Regel?

→ Dienstwagen und (keine) Privatnutzung: Fahrtenbuch oder 1%-Regelung?


Neuerungen in Sachen Dienstwagen und Privatnutzung

Sie sind Arbeitnehmer und bekommen einen Dienstwagen von ihrer Firma zur Verfügung gestellt?

Dienstwagen Privatnutzung

Fahrtenbuch vs. 1%-Regel: Welche Möglichkeiten haben Sie?

Dann kommt es steuerlich darauf an, ob Sie den Dienstwagen auch privat nutzen dürfen oder nicht – und ob Sie dies tatsächlich tun.

Wir haben für jedes Szenario Ihre Handlungsmöglichkeiten zusammengestellt, damit Sie optimal informiert sind.

Denn die Privatnutzung eines Dienstautos wird als steuerlicher Vorteil gesehen, den es zu versteuern gilt.

Quelle: Urteile vom 21.03.2013 VI R 31/10, 46/11 und 42/12, sowie Urteil vom 18.04.2013 VI R 23/12.

Wie sieht es also aus bei Ihnen? Haben Sie ein Privatnutzungsrecht an ihrem Dienstwagen — und machen Sie davon überhaupt Gebrauch?

Fall 1: Dienstwagen ja, Privatfahrten laut Vertrag nein

Dann sind Sie aus dem Schneider.

Mussten Sie bisher einen nicht unkomplizierten Beweis darüber antreten, dass Sie das Dienstauto tatsächlich nicht privat nutzen, so darf das Finanzamt neuerdings nicht mehr davon ausgehen, dass Sie gegen den Arbeitsvertrag verstoßen. Der steuerstrafrechtliche Generalverdacht der bisher galt, ist nun also unzulässig. Dies gilt ohne Ausnahme. Und zwar unabhängig davon, ob Ihr Arbeitgeber Maßnahmen zur Überwachung – zum Beispiel Schlüsselabgabe am Ende des Arbeitstages bei einem Pförtner – einsetzt oder nicht. Anders als früher liegt es nun an dem zuständigen Finanzamt, Ihnen Privatnutzung des Dienstfahrzeugs nachzuweisen. Klingt gut, nicht wahr?

Fall 2: Dienstwagen ja, Privatfahrtenerlaubnis laut Vertrag ja

Sie dürfen den Dienstwagen auch privat benutzen. Und zwar entweder unentgeltlich oder kostengünstig. Doch nutzen Sie Ihr Dienstfahrzeug auch wirklich für Privatfahrten?

tatsächliche Privatfahrten ja

In diesem Fall kommen Sie nicht drum herum, zu entscheiden, ob Sie ein Fahrtenbuch führen oder sich der 1%-Regelung unterwerfen möchten. Sofern dieses Thema bisher Neuland für Sie ist, lesen Sie folgende Infobox, um einen groben Überblick über beide Methoden (inklusive Tipps) zu erhalten:

Info Firmenwagen – Fahrtenbuch oder 1%-Regelung

Die 1%-Regelung ist unkompliziert – es wird 1 % des Bruttoneulistenpreises des Wagens angesetzt (auch wenn es sich um einen Gebrauchtwagen handelt) – und Sie brauchen nichts weiter zu tun.

Allerdings kann es steuerlich günstiger sein, ein Fahrtenbuch zu führen. Hier sind Sie ständig gefragt, die Fahrten unmittelbar nach bestimmten Anforderungen im so genannten Fahrtenbuch zu dokumentieren. Dies hat aber einige Tücken. Denn es gelten nicht nur strenge Anforderungen, auch kann es schnell passieren, dass das Fahrtenbuch beim Finanzamt nicht anerkannt wird. In diesem Fall wird automatisch die 1%-Regelung angesetzt. Da das Führen eines Fahrtenbuchs also ein gewisses Risiko darstellt, empfiehlt es sich sogar, je nach finanzieller Lage eine gewisse Geldsumme für den Fall des Falles des Nichtanerkennens des Fahrtenbuchs zurück zu legen, um dann den Betrag, der sich aus der 1%-Regelung ergibt, bezahlen zu können.

Hier noch ein Hinweis: Ihr Arbeitgeber muss zunächst in der Lohnabrechnung die Versteuerung des privaten Nutzungsanteils nach der 1%-Regel durchführen. In Ihrer Einkommensteuererklärung können Sie dann das Fahrtenbuch nachreichen.

Wünschen Sie sich weiterführende Informationen, die Ihnen für Ihre Entscheidung hilfreich sein können, lesen Sie bitte unsere Artikel über das Fahrtenbuch und/oder die 1%-Regelung.

tatsächliche Privatfahrten nein

Nun wird es knifflig. Bislang hatten Sie die Möglichkeit, einen Gegenbeweis anzutreten für die Annahme des Finanzamtes, dass Sie – wenn Sie den Dienstwagen laut Vertrag privat nutzen dürfen –, dies dann auch tun. Wenn Sie den Beweis erbringen konnten, waren Sie ebenfalls aus dem Schneider. Dies ist nun nicht mehr zulässig. Doch warum nicht? Der Bundesfinanzhof (BFH) geht davon aus, dass die Überlassung des Dienstfahrzeuges und der damit einhergehenden Möglichkeit zur Privatnutzung schon alleine einen geldwerten Vorteil erbringt. Daher ist der Vorteil zu versteuern, ob nun der Dienstwagen tatsächlich privat genutzt wird oder nicht.

Der Arbeitgeber muss daher zunächst die 1%-Regelung anwenden.

Doch was wäre, wenn das Führen eines Fahrtenbuchs eigentlich günstiger für Sie ausfallen würde? Schließlich machen Sie ja keine Privatfahrten. Und da somit auch auch keine Privatfahrten in dem Fahrtenbuch aufgeführt werden würden, könnten diese schließlich auch nicht zu Ihrem Nachteil geltend gemacht werden. Was sollen Sie in diesem Fall tun?

Fahrtenbuch führen! Denn wenn Sie mit der Einkommensteuererklärung ein Fahrtenbuch einreichen, dürfen Sie mit einer Erstattung rechnen. Eine Warnung: Führen Sie das Fahrtenbuch so korrekt wie es Ihnen möglich ist (siehe Infobox für weiterführende Informationen). Denn wenn das Fahrtenbuch nicht anerkannt wird, fällt die Erstattung weg.

Zusammenfassung Dienstwagen – Was können wir also festhalten?

  1. Neu ist, dass Sie nun keinen Gegenbeweis mehr erbringen müssen, wenn Sie laut Vertrag kein Privatnutzungsrecht am Dienstwagen haben. In diesem Fall unterliegen Sie weder dem Fahrtenbuch noch der 1%-Regelung.
  2. Wenn Sie ein Privatnutzungsrecht haben und dieses auch nutzen, dann müssen Sie – je nach Vorliebe/ finanziellem Vorteil – ein Fahrtenbuch führen oder die 1%-Regelung anwenden (zunächst wird aber durch den Arbeitgeber die 1%-Regelung angesetzt).
  3. Wenn Sie ein Privatnutzungsrecht haben und Ihren Dienstwagen nicht für Privatfahrten nutzen, wird die 1%-Regelung angesetzt. Sie können aber – mit einem gewissen Risiko – mit einer Erstattung rechnen, wenn Sie ein Fahrtenbuch ordnungsgemäß führen.
  4. Und wenn Sie nicht wissen, ob nun das Führen eines Fahrtenbuchs oder die 1%-Regelung für Sie günstiger ist? Dann zögern Sie nicht, sich an uns zu wenden. Wir beraten Sie gerne!

Dienstwagen

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Vielen Dank für Ihr Feedback. Ihr Steuerberater aus Köln - Lothar Th. Jasper
8 Kommentare zu “Dienstwagen – Keine Privatnutzung, trotzdem 1%-Regel?
  1. Andreas sagt:

    Hallo ich bin gelernter maler und mein chef stellt den Firmenwagen (drei sitzer kastenwage mit LKW zulassung)
    ins Lager wegen der 1% Regelung.
    meine frage.: meine baustelle die nicht immer an selber stelle ist aber die eine baustelle ist bei mir um die Ecke 2 minuten entfernt aber ich mus 20 minuten fahren ins Lager um mein Firmenwagen zu holen um bei mir um die Ecke die eine Baustelle zu arbeiten.
    Warum kann ich den Firmenwagen nicht mit nach Hause nehmen? ( Wohnung und Baustelle )ich will den nicht Privat nur von wohnung zu Baustelle und zurück.
    Habe privat zwei Autos auf mein namen angemeldet.
    Danke in vorraus

    • Hallo Andreas,
      wird einem Angestellten ein Pkw überlassen und er nimmt ihn mit nach Hause, unterstellt das Finanzamt eine private Mitbenutzung. Dann greift die 1%-Regel, mit der die vermutete Privatnutzung besteuert wird. Es reicht nicht aus, dass Sie versichern, den Pkw nicht privat zu nutzen und Sie 2 Pkw besitzen. Deshalb stellt Ihr Chef den Wagen ins Lager. Dieses Vorgehen verhindert den Ansatz der 1%-Regel. Dadurch müssen Sie keine Steuern auf die vom Finanzamt vermutete Privatnutzung zahlen. Dies ist also für Sie steuerlich vorteilhaft.
      Aber: Meines Erachtens fallen Kastenwagen mit Lkw-Zulassung nicht unter die 1%-Regel. Dann wäre es in der Tat überflüssig, den Wagen in das Lager zu stellen. Diese Frage kann sicherlich der Steuerberater Ihres Chefs klären.

  2. Will Walraven sagt:

    Hallo,

    Wenn jemannd Monatlich 455 € Brutto verdient ( bei eine Kapitalgesellschaft ), hat keine weitere Einkommen. Darf Firmenwagen ( Fiat Panda ) Privat benützen. Arbeitnehmer hat Netto Jahresgehalt < 9.000 € dann brauchen Arbeitgeber + Arbeitnehmer die Privatbenützung Firmenwagen nicht zu verzinsen.

    Simmt das ?

    • Hallo Will Walraven,
      hier bin ich der Auffassung, dass die Privatnutzung des Pkw aus Transparenzgründen in der Lohnabrechnung – und damit auch in der Jahres-Lohnsteuerbescheinigung – mit ausgewiesen werden muss, auch wenn Sie in Ihrem Fall zu keiner STeuerbelastung führt (Grundfreibetrag nicht überschritten). Denn: das Finanzamt will diesen Vorgang nachvollziehen. Es könnte ja sein, dass Sie doch noch andere Einkünfte haben. Dann würde die Pkw-Nutzung in der Einkommensteuererklärung nachversteuert.
      Übrigens: vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Steuerblog-Newsletter 🙂

  3. M. Rebel sagt:

    Ich habe ein Firmenfahrzeug mit einer 1 % Regelung, obwohl ich schon immer wusste ich werde dies nie nutzen, da ich noch zusätzlich ein Privatauto habe.

    Nun meine Frage: Dienstwagen wird nur genutzt für Dienstfahrten (Vertrieb Aussendienst), ich habe ein Home-Office (dh. kein Weg zur Arbeitsstätte).

    Darf ich auf mein Verlangen hin zum Fahrtenbuch wechseln, wenn ich das möchte, oder muss ich tun was der AG möchte? Kann ich die ca 5.000 € brutto geltend machen, da diese ja für umsonst aus meiner Tasche gezahlt wurden?

    Danke.

    • In der Gehaltsabrechnung muss der Arbeitgeber die 1%-Regel anwenden. Sie können aber ein Fahrtenbuch führen und dieses bei Ihrer Einkommensteuererklärung mit einreichen. Sofern das Fahrtenbuch vom Finanzamt anerkannt wird, werden die dort aufgezeichneten Gegebenheiten zugrunde gelegt und somit die 1%-Regel rückgängig gemacht.
      Beste Grüße
      Lothar Th. Jasper

  4. Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich soll einen Firmenwagen bekommen. Eigenanteil 150,-
    Weg zur Arbeit ist 108km (einfache Fahrt; Gesamt jahresfahrleistung etwa 50000). Geschätzte private Nutzung liegt bei ca 5000km/Jahr. Fahrzeug laut Liste etwa 35000,-€.
    Zählt bei der Nutzung eines Fahrtenbuches auch der Weg zur Arbeit?
    Was raten Sie mir? 1% Regelung oder Fahrtenbuch

    • Das ist ein Rechenexempel, wie Sie sich sicher denken können. Und das kostet Zeit. Wenn Sie mich beauftragen möchten, wenden Sie sich per E-Mail an mich. Gern mache ich Ihnen ein Angebot.
      Mit freundlichen Grüßen
      Lothar Th. Jasper
      JASPER STEUERBERATUNG

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